Das Magdeburger Pfarrerehepaar Gabriele und Andreas Herbst erhält für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement den Adelheid-Preis 2017. Damit würdigt das Preiskuratorium unter anderem das jahrzehntelange Wirken des Ehepaares in der Evangelischen Hoffnungsgemeinde Magdeburg und ihren immerwährenden Einsatz für Integration, Toleranz und Weltoffenheit. Die Preisverleihung ist am 18. Februar 2018.

„Das Magdeburger Pfarrerehepaar Gabriele und Andreas Herbst setzt sich seit Jahrzehnten mit großem Engagement in der Evangelischen Hoffnungsgemeinde und für Integration, Toleranz sowie Weltoffenheit ein“, so die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit und Kuratoriumsvorsitzende, Simone Borris. „In vielen sozialen Projekten engagieren sie sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen und machen unsere Stadt somit zu einem besseren Ort. Das Wirken des Ehepaares ehrt die Landeshauptstadt Magdeburg mit dem Adelheid-Preis 2017.“

2017-12-15_Adelheidpreis1Gabriele und Andreas Herbst sind seit 2010 in Magdeburg ehrenamtlich tätig und organisieren gemeinsam Gottesdienste im öffentlichen Raum. Unter dem Motto „Bibel trifft Kunst. Andernorts.“ verbinden beide ihren Glauben, mit ihrer Leidenschaft mit Menschen ins Gespräch zu kommen und ihrer Liebe zur Kunst. „Religion und Kunst haben Gemeinsamkeiten“, meint Andreas Herbst. „Beides muss interpretiert werden“. Dabei ist es nicht ihr Ziel, die Teilnehmer zum Christentum zu bekehren. „Uns interessieren auch die Meinungen von Menschen anderer Glaubensrichtungen und natürlich auch von denen, die nicht an Gott glauben“, erklärt Gabriele Herbst. Außerdem will das Ehepaar den Magdeburgern bewusst machen, welche öffentlichen Kunstschätze die Stadt zu bieten hat.

Gabriele Herbst wurde als Pfarrerskind in Leutersdorf/ Oberlausitz geboren und studierte Evangelische Theologie in Berlin. Nach ihrem Vikariat wurde sie 1978 in Magdeburg ordiniert und arbeite bis 2009 als Pfarrerin im Neubaugebiet Nord und als Ausländerbeauftragte im Kirchenkreis. Von 1992 bis 1999 war Gabriele Herbst Sprecherin des „Wortes zum Sonntag“ in der ARD. Seit 16 Jahren wirkt sie bei kirchlichen Sendungen im Deutschlandradio mit.

Zudem beteiligt sie sich in vielen Projekten für ein fremdenfreundliches Magdeburg und für „Schulen ohne Rassismus“. Das Ehepaar engagiert sich gemeinsam für das Projekt „education is the key of life“ mit einer Partnerkirche in Tansania, das sich für eine bessere Bildung und Verteilungsgerechtigkeit in dem Land engagiert. Die Arbeit mit Geflüchteten begannen beide bereits vor dem politischen Umbruch 1990. Schon damals kamen junge Tansanier in die Hoffnungsgemeinde und nahmen am Gottesdienst teil.

Die enge Verbundenheit zu dem ostafrikanischen Land besteht seit über zwanzig Jahren und wurde durch viele Reisen dorthin noch verstärkt. Das Ehepaar unterstützt zudem eine Schule in Tansania auch finanziell.

Gemeinsam öffnete das Ehepaar Herbst 1986 die Hoffnungskirche für Lesben und Schwule, da es für diese in der DDR keine öffentlichen Treffpunkte gab. Erstmals in der Magdeburger Geschichte fand ein Gottesdienst im Rahmen der CSD-Woche statt. Die Hoffnungskirche im Norden der Landeshauptstadt ähnelt in ihrer äußeren Gestalt einem Zelt und soll damit auch ein Zeichen für die geistige Beweglichkeit der Gemeinde sein. Sie lebt mit offenen Türen zu der sie umgebenden Gesellschaft hin. 1995 gründete das Pfarrerehepaar dort zudem den Migrationstreff „Café Krähe“, um Geflüchteten bei der Integration in Magdeburg zu helfen.

2009 wurde Gabriele Herbst für ihren Einsatz für Toleranz und Weltoffenheit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und setzt sich bis heute gegen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen ein. Der Stadtrat ernannte sie 2012 in Würdigung ihres besonderen Engagements als Vertreterin der Evangelischen Kirche und in der Integrationsarbeit für ein weltoffenes und tolerantes Magdeburg zur Ehrenbotschafterin.

Die beiden ehemaligen Pfarrer der Hoffnungsgemeinde, Gabriele und Andreas Herbst, wohnen am Krähenstieg am Neustädter See und haben zwei erwachsene Kinder sowie zwei Enkelkinder. In ihrem gemeinsamen Hobby, dem Malen, können sie ihre Kreativität ausleben. Gabriele Herbst gestaltet darüber hinaus Kinderbücher, dichtet und fertigt Schmuck selbst an.

Hintergrund

Mit dem Adelheid-Preis würdigt die Landeshauptstadt Magdeburg jährlich Personen oder Gruppen, die sich durch hervorragendes ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich auszeichnen. Erstmals wurde der Adelheid-Preis durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Lutz Trümper, im Jahr 2012 verliehen.

Zum Kuratorium gehören neben der Vorsitzenden Simone Borris auch Helga Boeck von der Fraktion LINKS für Magdeburg, Matthias Boxhorn von der CDU/ FDP/ BfM-Stadtratsfraktion, Birgit Bursee von der Arbeitsgruppe „Magdeburger Netzwerk für bürgerschaftliches Engagement“, Hans-Dieter Bromberg, durch die SPD-Stadtratsfraktion entsandt, der Vorstand der Stadtsparkasse Magdeburg, Horst Eckert, Gabriele Haberland von der Kreisarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Dr. Jürgen Hildebrand, entsandt von der Stadtratsfraktion DIE LINKE/ future!, die Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses, Kornelia Keune, Alfred Westphal von der Stadtratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen und Roland Zander von der Magdeburger Gartenpartei.

Namensgeberin für den Adelheid-Preis ist Kaiserin Adelheid (931 – 999), die zweite Ehefrau Ottos des Großen, die wegen ihres karitativen Wirkens und ihrer Mildtätigkeit bereits zu Lebzeiten vom Volk verehrt wurde. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert als finanzielle Unterstützung sozialer Projekte der Preisträger. Die Bekanntgabe der durch das Kuratorium zur Vergabe des Adelheid-Preises ermittelten Preisträger erfolgt jährlich um den 16. Dezember herum, anlässlich des Todestages der Kaiserin Adelheid im Jahr 999.

Die Verleihung des Adelheid-Preises an Gabriele und Andreas Herbst erfolgt am 18. Februar 2018 im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums im Rahmen eines Festaktes der Landeshauptstadt Magdeburg, zu dem zahlreiche Vertreter sozialer Träger und Vereine erwartet werden.

Evangelische Hoffnungsgemeinde Magdeburg

Die Evangelische Hoffnungsgemeinde wurde 1978 für die in den Jahren 1970 bis 1985 im Norden Magdeburgs gebauten Wohngebiete Neustädter See und Kannenstieg für die etwa 30.000 Bewohner gegründet. Sie ging aus der St. Nicolaigemeinde hervor und entstand unter anderem durch die Aufbauarbeit der damaligen Pfarrer Gabriele und Andreas Herbst. Die Evangelische Hoffnungsgemeinde besitzt mit der Hoffnungskirche vielfältige Räumlichkeiten, die als behindertengerechtes Gemeindezentrum genutzt werden. Die Gemeinde lebt mit offenen Türen zu der sie umgebenden Gesellschaft hin. Sie sieht ihr Lebenszentrum in fantasievoll gestalteten Gottesdiensten. Um dieses Zentrum herum ist ihr die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig. Regelmäßige Kindergottesdienste und Kleinkindergottesdienste, Konfirmandenkreis, Junge Gemeinde gehören zum Angebot für diese Altersgruppe.

Das Adelheid-Kuratorium

Im Auftrag des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Magdeburg hat die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, Simone Borris, seit Dezember 2014 den Vorsitz im Kuratorium.

Zu den weiteren Mitgliedern des Kuratoriums gehören (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Helga Boeck, Fraktion LINKS für Magdeburg
  • Matthias Boxhorn, Fraktion CDU/FDP/Bund für Magdeburg
  • Hans-Dieter Bromberg,  Durch die SPD-Fraktion entsandt.
  • Birgit Bursee, Arbeitsgruppe „Magdeburger Netzwerk bürgerschaftliches Engagement“
  • Horst Eckert (bis Dezember 2017) Matthias Geraldy (ab Januar 2018),
  • Gabriele Haberland, Kreisarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
  • Dr. Jürgen Hildbrand, Durch die Fraktion DIE LINKE/future! entsandt.
  • Kornelia Keune, Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses
  • Alfred Westphal, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • Roland Zander, Fraktion Magdeburger Gartenpartei

Adelheid von Burgund (931 bis 999)

Adelheid – Tochter von König Rudolf II. von Hochburgund/Habsburg und der Herzogstochter Berta von Schwaben 

  • geboren 931 oder 932 in Hochburgund
  • 947: vermählt mit König Lothar II. von Italien
  • 947 – 950: Königin von Italien
  • gilt als beispielhafte Christin
  • kümmert sich um die armen und die am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen
  • 950: Ihr Ehemann König Lothar II. von Italien wird vergiftet.
  • 951: vermählt mit König Otto I.
  • vier gemeinsame Kinder

Adelheid – Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches

  • 962 wird Otto I. zum Kaiser gekrönt, Adelheid wird gekrönte Kaiserin.
  • 973 stirbt Otto I.

Adelheid – gestorben am 16. Dezember 999 im Kloster Selz im Elsass

Papst Urban III. spricht Adelheid im Jahr 1097 heilig.